Energiekonzept für Pyrmont – Diskussionsansätze

Ein Beitrag von Jens Lohmann

Jens Lohmann

Jens Lohmann

WIR glauben, dass Pyrmont ein Energiekonzept braucht und das sich in diesem Zusammenhang die Pyrmonter, der pyrmonter Rat mit einigen Fragen auseinander setzen sollten:

  • Welche Art von Energie soll zukünftig in Pyrmont im gewerblichen und privaten Bereich sowie für Mobilität genutzt werden?
  • Wo soll diese Energie erzeugt werden?
  • Wer soll sie bereit stellen?

Aktuelle Rahmenbedingungen:

  • Das Atomkraftwerk Grohnde – gerade aufgefallen durch diverse beunruhigende Störfälle – wird 2022 endgültig vom Netz gehen, es wird weiter als Zwischenlager genutzt werde, der gelagerte Müll strahlt noch für Generationen, auch: Tschernobyl, Störfälle in franz. Kernkraftwerken …
  • Fossile Energiequellen gehen mittelfristig zur Neige, die Erschließung neuer Erdöl- oder Gasvorräte wird immer aufwändiger, teurer und die Gefahr ökologischer Katastrophen erhöht sich à Stichworte: Fracking, Ölsandabbau in Kanada, Erschließung von Vorkommen in der Antarktis … wollen wir das? Die Diskussion, ob nun die Erdölvorräte noch 50 oder 150 Jahre reichen werden, ist da müßig.
  • Die Versorgungssicherheit ist nicht gegeben, viele heute bekannte Energievorräte lagern in politisch instabilen Staaten, um ihre Ausbeutung werden Kriege geführt, hohe Abhängigkeit von russischen Gasimporten … wollen wir damit leben?
  • Von einzelnen immer noch negiert ist die Freisetzung von Kohlendioxid durch die Verbrennung fossiler Energieträger der Treiber für den sogenannten Treibhauseffekt und damit verantwortlich für die Erderwärmung, Zunahme von Unwettern etc.!

Diese eher globalen Fragestellungen und Hintergründe treffen uns ganz regional auch in Pyrmont und da es sich nicht um hunderte Jahre entfernte Szenarien handelt, stellen WIR uns konzeptionell die Frage, welchen Weg Pyrmont beim Thema Energie gehen sollte.

Die zur Diskussion stehende Antwort von WIR für Pyrmont:

  • Regenerativ
  • Regional
  • Stadtwerke als wichtiger Akteur für die Umsetzung
  • Einbindung in die Zukunftskonzeption für Pyrmont und Verzahnung mit dem Mobilitäts- und dem Wohnkonzept

Regenerativ – Die Zukunft liegt in regenerativen, also sich immer wieder erneuerbaren Energieträgern, bei denen – abseits von manchmal ideologisch geführten Energiewendediskussionen – die eingangs genannten Probleme einfach nicht bestehen.

  • Wasserkraft
  • Windkraft
  • Sonnenenergie
  • Biomasse – vergoren oder ggfs. wenn jährlich nachwachsend auch verbrannt (Holz, Stroh …), hier besonders interessant der gezielte Anbau von Energieholz zur Verbrennung in KWK-Anlagen
  • Erdwärme

–> Nutzung von so gewonnenem Strom auch zur Wärmeerzeugung (Wärmepumpen) und für Mobilität (Elektromobilität)

–> sauber, emissionsarm (Abgase und Lärm), wichtiger Standortfaktor für die Kurstadt Pyrmont

Regional – Die genannten Energieträger sind mehr oder weniger vor Ort vorhanden und erschließbar, unerschöpflich und es besteht keine Notwendigkeit für langen Transport. Damit sind sie auch in hohem Maße sabotagesicher. Ideal wird es, wenn die Wertschöpfung aus ihrer Erschließung auch den Bürgern vor Ort zu Gute kommt. WIR denken hier an:

Energiegenossenschaften bzw. Betreibermodelle, bei denen sich Bürger vor Ort auch mit kleinen finanziellen Beträgen beteiligen können. Betrieben durch unser örtliches „Competence Center“ in Sachen Energie, die Stadtwerke, anteilig fremdfinanziert durch örtliche Kreditinstitute (Volksbank, Sparkasse).

Der aus diesen Modellen lokal erzeugte regenerative Strom kann als echtes Regionalprodukt dann auch viel besser vermarktet werden als irgendein Ökostromtarif irgendeines überregionalen Anbieters, bei dem die Herkunft des Stroms undurchsichtig ist und die Profite irgendwo, nur nicht in Pyrmont landen.

Erste Ansätze gibt es:

  • Wasserkraftwerk an der Dringenauer Mühle -> soll 200 Haushalte mit Strom versorgen, Verfügbarkeit ist zu erhöhen (häufig defekt -> warum? Kapazitätserweiterung möglich?) -> muss auch im Rahmen Nachhaltigkeitsansatz touristisch erschlossen werden (siehe z.B. Hämelschenburg), „Wasser als treibende Kraft in Pyrmont“
  • Windkraftanlagen Pyrmonter Bergdörfer – kontroverse Diskussion um „Verspargelung“ der Landschaft, Abstandsregelungen (Abstände zur Wohnbebauung), bedarfsgerechte Befeuerung zur Reduzierung der nächtlichen Lichtemissionen, welche Firmen profitieren? Kritikpunkte sind ernst zu nehmen, Vor- und Nachteile abzuwägen. Transparenz, breite Beteiligungsmöglichkeiten, Betroffene zu Partnern machen
  • Das Potenzial an solarer Energiegewinnung ist in Pyrmont insbesondere auf öffentlichen Gebäuden nicht ausgeschöpft – inneffizient wegen häufiger Smog- / Nebelwetterlagen? Mit einer Abkehr von der Verbrennung fossiler Energieträger und der bereits jetzt unvermeidlichen Klimaerwärmung bei gleichzeitigem Technologiefortschritt dürften sich hier noch Potenziale eröffnen
  • Kraft-Wärmekopplungsanlagen mit Holzbefeuerung aus heimischen Wäldern -> Energiewälder als Nutzungsmöglichkeit für Brachflächen-> Ansatz für regionale Wertschöpfung
  • Weitere zu diskutierende Energiequellen:
  • Tiefengeothermie [in Bad Bevensen soll ein niedersächsisches Leuchtturmprojekt realisiert werden, Versorgung einer Klinik und der wesentlichen Kureinrichtungen] -> es muss diskutiert werden, ob mit aktuellen Technologien Pyrmont nicht auch für eine tiefengeothermische Nutzung geeignet wäre -> hohe Anfangsinvestitionen, aber förderfähig! http://www.tiefegeothermie.de
  • Strohkraftwerk -> jährlich nachwachsender Rohstoff / kein fossiler Brennstoff, Ressource im Weserbergland vorhanden – Alternative zur „Vermaissung“ der Landschaft, keine Konkurrenz zum Anbau von Nahrungsmitteln -> Stroh ist nur Abfallprodukt, neben der Stromproduktion auch Nahwärme für Kliniken und Therme? http://www.bioenergie-emsland.de/index.php

Stadtwerke als wichtiger Akteur für die Umsetzung

Die Stadtwerke Bad Pyrmont sind der ideale Partner für die Umsetzung der entwickelten Konzepte im Energie- und Mobilitätsbereich. Hier sitzt das Experten KnowHow, die Wertschöpfung kommt Pyrmont voll zu Gute, die Arbeitsplätze sind vor Ort.

Im Einzelnen:

Erschließung bzw. Ausbau und Betrieb weiterer regenerativer Energiequellen – Technische u. kaufmännische Betriebsführung von Genossenschaften oder Betreiberfirmen mit Bürgerbeteiligung
Beispielansatz der Realisierung mit Hilfe der Fa. Windwärts:
http://www.windwaerts.de/de/hintergrundinformationen/stadtwerke-anlagen-im-heidekreis-in-betrieb.html

Gezielte Förderung von gewerblichen und privaten Initiativen im Sinne der entwickelten Konzepte -> Es gibt bereits das jährliche Förderprogramm der Stadtwerke, Effizienz und Ausrichtung sind zu überprüfen

Intensivierung der Vermarktung von regional erzeugtem Ökostrom – der darf dann auch ruhig ein wenig mehr kosten, wenn er als regionale Marke mit Mehrwerten versehen ist (jährliches Sommerfest für alle ÖKOSTROMPYRMONT – Kunden, 5 Schwimmbadeintritte frei …)

Einbindung in die Zukunftskonzeption für Pyrmont

Das Energiekonzept ist Teil der aufzustellenden Zukunftskonzeption für Pyrmont, die WIR als wesentliche Grundlage allen politischen Handelns einfordern. Es ist eng verzahnt mit den Themen Mobilität und Wohnen.

Im Einzelnen:

Demografisch und topografisch halten WIR Elektromobilität für ein Schlüsselthema für Pyrmont, zumal die Firma Phoenix Contact als größter Arbeitgeber der Stadt in diesem Zukunftsfeld ein wesentlicher Spieler ist. Direkte Kaufanreize für eMobile bietet das in diesem Jahr aufgelegte Bundesprogramm, für Pyrmont wären indirekte Anreize sinnvoller:

  • Bevorzugte Parkraumbelegung durch Elektromobile
  • Mehr öffentliche Ladestationen, ggfs. mit Freikontingenten für in Pyrmont zugelassene Elektromobile

Außerdem:

  • Konsequente Umstellung des Pyrmonter Fuhrparks auf eMobile bei Neubeschaffungen
  • ÖPNV im Sinne der Pyrmonter Konzeption wieder zurückholen und auf kleinere, wendigere Elektromobile umstellen

In öffentlichen Gebäuden (->Neubau Humboldtgymnasium) konsequente Nutzung von regenerativen, emissionsarmen Heizungsanlagen. Gute Beispiele z.B. Kita St. Georg bzw. erste modernisierte Häuser der Pyrmonter Wohnungsgenossenschaft mit effizienten Luft-Wärmepumpen.

Neue Wohngebiete (u.a. anstehende Erschließungen / Projekte von Stadtsparkasse und Volksbank) mit der Auflage zur Nutzung regenerativer Energien (erprobtes Modell z.B. KWK-Anlage auf Basis von Holzhackschnitzeln mit gemeinschaftlichem Nahwärmenetz …).

Ein Energiekonzept für Pyrmont – WIR wollen uns auf den Weg machen